Duodenoskopie

Die Duodenoskopie dient der Untersuchung und Therapie des Zwölffingerdarms und des Gallengangs.

Mit Hilfe des Duodenoskops ist es möglich, durch die Speiseröhre (Ösophagus), den Magen (Gaster), den Magenausgang (Pylorus) in den Zwölffingerdarm (Duodenum) zu gelangen.

Dabei hat das Duodenoskop eine Besonderheit. Seine Optik ist zur Seite gerichtet, was das Einführen und Vorschieben durch die Speiseröhre zu einer "blinden Reise" werden lässt. Erst im Magen hat man wieder freie Sicht und kann sich auf den Magenausgang konzentrieren, indem man das distale Ende des Duodenoskops um etwa 90° abwinkelt, um so nach vorne schauen zu können.

Erfahrene Gastroenterologen schieben dann durch eine geschickte Begradigung des Duodenoskops, die Spitze des Endoskops (distale Ende) blind durch dem Magenausgang, winkeln es etwas ab und haben dann Sicht in den Zwölffingerdarm.

Klassische Duodenoskope sind mit einer Glasfaseroptik und Kaltlicht ausgestattet, haben einen Arbeits- und Absaugkanal, sowie einen Luft- und Spülkanal.
Das Bild wird über das Glasfaserbündel zu einem Okular transportiert und dort für den Betrachter vergrößert.

Neuere Duodenoskope (Videoendoskope) sind im Aufbau identisch, haben aber statt der Glasfaseroptik einen Elektronik Chip eingebaut. Dieser transferiert das Bild über einen externen Prozessor, der die elektronischen Signale in ein Videobild umwandelt, auf einen Monitor.

Im Inneren des Duodenums (Zwölffingerdarm) lassen sich mit zusätzlichen Instrumenten, die durch den Arbeitskanal geschoben werden, kleinere therapeutische Eingriffe, wie z. B. Gewebeprobeentnahmen (Biopsie), durchführen.

Bei der Duodenoskopie hat man jedoch mittels des Endoskops die Möglichkeit, direkt von "Außen" und ohne Operation in den Gallengang zu gelangen, um dort zusätzliche chirurgische und therapeutische Eingriffe vorzunehmen.

Insbesondere ist dies notwendig, wenn ein Stein den Gallengang verstopft (obstruiert) und den Ausfluss des Gallensaftes verhindert und es so zu einer "Gelbsucht" (Ikterus) kommt.
Der Gallengangsstein kann mittels verschiedener Instrumente wie Ballonkatheter oder Körbchen extrahiert (herausgezogen) werden.

Zuvor wird aber durch das Duodenoskop ein Katheter in den Gallengang eingeführt, durch den ein Kontrastmittel zur Darstellung des Gallenganges (Cholangiographie) unter Zuhilfenahme des Röntgenapparats, gespritzt wird.

Ist ein Herausziehen des Steins deshalb nicht möglich, weil er zu groß ist oder fest sitzt, kann durch ein elektrisches Schneidemesser (Papillotom) die Einmündung des Gallen- und Bauchspeicheldrüsengangs (Papilla duodeni major) durch einen kleinen Schnitt vergrößert werden, in der Hoffnung, dass der Gallenstein spontan abgeht.

Ist dies trotzdem nicht der Fall, kann durch den Einsatz eines starken Lithotriptorkörbchens, der Stein zertrümmert (defragmentiert) und dann aus dem Gallengang entfernt werden (mechanische Lithotripsie).

Durch krankhafte Veränderungen im Abdomen, (Bauchraum) kann der Gallengang auch durch einen "raumfördernden Prozess", wie die Krebserkrankung auch genannt wird, verengt oder zusammengedrückt sein und so den Abfluss des Gallen- und Bauchspeicheldrüsensafts blockieren.

Abhilfe schafft man durch den Einsatz eines Katheters (Stent), ein Plastik oder Metallröhrchen, das zur Überbrückung der Engstelle (Stenose) eingesetzt wird und den Durchfluss freigibt.

Beim Einführen eines Duodenoskops bekommt der Patient eine Betäubung im Rachen mittels eines Sprays, (Rachenanästhesie) bzw. eine Beruhigungsspritze in die Ader, (intravenöse) um den Würgereiz zu verringern oder ganz zu unterdrücken, um den Patienten für diese spezielle und möglicherweise etwas länger dauernde Untersuchung ruhig zu stellen. Zusätzliche Gaben an Medikamenten können eingesetzt werden, um die Peristaltik (Eigenbewegung des Verdauungstraktes durch Muskelkontraktion) vorübergehend zu reduzieren oder auszuschalten.

Während der Untersuchung wird der Patient vom Endoskopiepersonal professionell betreut und mit einem Pulsoxymeter (Messfühler, der die Sauerstoffsättigung und den Puls anzeigt) überwacht.

Die Untersuchung des Zwölffingerdarms (Duodenoskopie) ist relativ risikoarm, dauert aber in der Regel länger als eine normale Routinegastroskopie. Ihr Vorteil ist es, therapeutische Maßnahmen im Gallengang ohne Operation durchführen zu können.